Verdachtsmeldungen nach Geldwäschegesetz nehmen zu

In ihrem jetzt veröffentlichten Jahresbericht 2020 berichtet die FIU von rund 144.000 Verdachtsmeldungen im vergangenen Jahr. Das sind gut 25 Prozent mehr als 2019. In den letzten zehn Jahren hat sich das jährliche Meldeaufkommen sogar verzwölffacht.
vom 20. August 2021
image

Verdachtsmeldungen nach Geldwäschegesetz nehmen zuDie dem Zoll zugeordnete Financial Intelligence Unit (FIU) analysiert als Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz (GWG). In ihrem jetzt veröffentlichten Jahresbericht 2020 berichtet sie von rund 144.000 Verdachtsmeldungen im vergangenen Jahr. Das sind gut 25 Prozent mehr als 2019. In den letzten zehn Jahren hat sich das jährliche Meldeaufkommen sogar verzwölffacht.
Der mit Abstand größte Teil der Meldungen (97 Prozent) fällt in den Bereich des Finanzsektors. Allerdings ist der Anstieg im Nichtfinanzsektor überproportional, 2020 erhielt die FIU rund 90 Prozent mehr an Mitteilungen als dies noch im Vorjahr der Fall war.
 

Immobiliensektor im Fokus

„Positiv zu bemerken ist, dass unsere kontinuierliche Sensibilisierungs- und Koordinierungsmaßnahmen und die Geldwäschegesetzmeldepflichtverordnung-Immobilien unmittelbare Wirkung entfalten“, sagt FIU-Leiter Christof Schulte. Seine Organisation schreibt den Anstieg der Meldungen im Nichtfinanzsektor vor allem den Notaren zu, die infolge der 2020 mit dem sperrigen Namen in Kraft getretenen Verordnung Auffälligkeiten bei Immobilientransaktionen mitteilen. Zurückgegangen sind die Meldungen auf dem Glücksspielsektor. Wegen der Corona-Pandemie kam es zu monatelangen Schließungen.
 

FIU sieht noch Luft nach oben

Schulte identifiziert auf dem Nichtfinanzsektor trotz der Zunahme an Meldungen Nachholbedarf: „Es bleibt eine große Herausforderung, gemeinsam mit den zuständigen Aufsichtsbehörden alle Verpflichtetengruppen des Nichtfinanzsektors noch weiter zu sensibilisieren, um die Anzahl der Meldungen insbesondere aus diesem Sektor zu erhöhen und bislang bestehende Dunkelfelder noch weiter auszuleuchten.“
 

COVID-19-Thematik

Apropos Corona: Von Mitte März bis Ende Dezember 2020 erhielt die FIU rund 11.200 Verdachtsmeldungen, die in einem möglichen Zusammenhang mit der „COVID-19“-Thematik standen. Rund 9.500 dieser Meldungen bezogen sich auf die betrügerische Erlangung der Corona-Soforthilfen. Die FIU schildert, dass Kriminelle sich über Fake-Webseiten Unternehmensdaten verschafft haben, die dann illegal für das Erlangen finanzieller Soforthilfen genutzt wurden. Auch vermeintliche Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen nutzten die Situation aus – zum Teil waren diese nicht gar nicht existent oder zumindest zuletzt ohne Geschäftstätigkeit.
 

Kryptowährungen

Auffällig war laut Angaben der FIU auch das Meldeaufkommen im Zusammenhang mit Kryptowerten. Gegenüber 2019 hat sich die Zahl im vergangenen Jahr verdoppelt, insgesamt kam es in diesem Jahr zu 2.050 Verdachtsmeldungen. Geschädigte sind in der Regel Personen, deren Bestellungen von Waren und Gütern ins Leere liefern, die Vermögensanlagen mit betrügerischem Hintergrund tätigten oder bei denen Täter die Verfügungsgewalt über ihre Bankkonten erlangten.Bildnachweise: © Unspleash / GR Stocks

Beitrag von Alexander Pradka

Dies könnte Sie auch interessieren

230309_News_50plus1_IM_Martin Hoffmann
EU
Bundeskartellamt sieht 50+1 auf gutem Weg
Im kartellrechtlichen Verfahren rund um die 50+1-Regel in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) jetzt Zusagen angeboten,...
230307_News_Rechtsstreitstatistik EU_G
EU
Europäischer Gerichtshof: Immer mehr Entscheidungen zu sensiblen Themen
1.710 Rechtssachen sind 2022 neu beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) und dem diesem nachgeordneten Gericht der Europäischen Union (Gericht) eingegangen....
230302_News_Commercial Courts Sachverständige_US_Yolanda Suen
Richterschaft und Anwaltschaft begrüßen Commercial Courts
Der Bundesrat hatte schon zweimal einen Anlauf unternommen, jetzt existieren auch ein Antrag der Unionsfraktion und ein Eckpunktepapier des Bundesjustizministeriums:...